Gewissheit bringt Ruhe

Gewissheit bringt Ruhe

Seit dem Unfall sind in unserem Sportblog ja schon einige private Gedanken eingeflossen. Das es viele mit einem ähnlichen Schicksal wie dem meinen gibt durfte ich über die verschiedenen Kanäle erfahren. Daher schreibe ich euch nun meinen Weg mit diesem Schicksal umzugehen. Für wen das zu spirituell ist, einfach oben rechts das Kreuz drücken. ?

Nahtoderfahrungen

Nach dem Unfall fing ich an mich genauer mit der Frage: „Was kommt danach?“ zu beschäftigen. Schon immer war ich der Meinung, dass der Tod nicht das Ende ist. Jedoch hatte mein bisheriges Leben nie die Dringlichkeit geboten mich dem Thema näher zu widmen.

Meine ersten Recherchen führten mich zu Berichte und Bücher über Nahtoderfahrungen. Es ist unfassbar wie viele Menschen von den Erfahrungen während eines todesähnlichen Zustands berichten. Dabei spielt weder Alter, Religion, Land noch der Glauben daran eine Rolle. Es gibt Büchern von Doktoren, also Wissenschaftlern, welche in der Regel selten für solche schwer greifbaren Themen zu haben sind.

Die Berichte ähneln sich so massiv, dass es kaum erfunden sein kann. Ganz egal ob Kleinkind in Deutschland oder ein gläubiger Katholik aus den USA. Die Grundelemente sind gleich. Ich habe auch im Bekanntenkreis kein Geheimnis um meine Gedanken gemacht und siehe da selbst dort wurde bereits so eine Erfahrung gemacht.

Meine logische Schlussfolgerung: wenn Menschen, die fast gestorben sind etwas Weiterführendes gesehen haben muss es ja dann wirklich weitergehen. Damit kam Teil zwei der Recherche: Menschen die mit dem Jenseits kommunizieren können.

Leben nach dem Tod

Meist beginnen meine Suchen über Bücher. So habe ich Amazon auf den Kopf gestellt und mich quer durch das Angebot gelesen.
Autoren welche als Medien arbeiten und ihre Erfahrungen in Worte gefasst haben. Ich lese schon immer gern und viel, doch in den Wochen nach dem Unfall haben ich wahrscheinlich mehr Bücher vor der Nase gehabt als im gesamten vergangenen Jahr. Es waren Bücher dabei die absolut plausibel klangen. Diese haben mir in der Zeit sehr geholfen, denn zu glauben, dass Sven nach wie vor da ist hat mir sehr viel Kraft gegeben. Dies war praktisch meine Hauptquelle an Energie um so weiterzumachen wie ich eben weiter gemacht habe.

Natürlich gibt es auch die Lektüre, die einfach zu fantastisch klingt. Dort schließt sich eine umfassende Google Recherche an, welche mir nur gezeigt hat, dass wohl das Gefühl an der Stelle nicht unberechtigt war. Meist sind dann auch die Autoren sehr kritisch in der Presse zu finden.

Nach dem ich alles gelesen hatte, was ich lesen wollte, ging ich den logischen nächsten Schritt.

Medien für Jenseitskontakte

Ich wusste viel und glaubte oft. Doch oft ist nicht immer. Und glauben ist auch nicht wissen. In der Zeit wo ich fest glaubte und Sven auch wirklich gespürt habe, ging es mir recht gut. In den Zeiten wo ich nichts mehr von ihm wahrnehmen konnte, kamen die Zweifel und mir ging es dementsprechend beschi…

Google an und auf der Suche nach einem Medium in Deutschland gemacht. Man findet tatsächlich viel. Doch wen kann man ernst nehmen und wer hat es nur auf das Beste von mir abgesehen? Erst nach dem Unfall habe ich angefangen verstärkt auf Intuition und Zeichen zu hören. Die Intuition hat mit seitdem, in vielen Bereichen, gute Dienste geleistet. So landete ich schließlich bei Tanja Schlömer. Ich sah die Seite und war mir in kurzer Zeit absolut sicher, dass sie die Richtige ist. Tanja sollte mir helfen mit Sven zu reden. Ich brauchte die Gewissheit, dass die Bücher nicht nur Trost spenden und dem Autor Anerkennung bringen. Und ich hatte drei wichtige Fragen die mir massiv auf der Seele brannten:

  • Bist Du da?
  • Geht es Dir gut?
  • Tat es weh?

Tanja kommt im Februar 2019 auch nach Leipzig. Doch wo die Geduld verteil wurde, stand ich schon bei den Äxten an. Also den nächstmöglichen Termin für mich gesucht. Der war am 10.11. in Freising. Von Leipzig aus keine kleine Reise, doch Sven wäre ein Flug auf die andere Seite der Welt wert.

Zeichen

Gebucht habe ich den Termin am 28. August. Davor und danach war ganz viel einsame Zeit voller Gedanken, Glauben, Hoffnung und Zweifel. Also was macht der belesene Gläubige? Richtig, er bittet um Zeichen. So bin ich Schatzi richtig auf den Sack gegangen. Und er hat sich echt Mühe gegeben.

Ich langweile euch nicht mit den ganzen Kleinigkeiten, aber die zwei großen Ausrufezeichen möchte ich euch nicht vorenthalten.

Seit dem Morgen nach dem Unfall, habe ich regelmäßig auf dem linken Unterarm Gänsehaut. Nur links und immer der Unterarm. Nein, hatte ich vorher nicht und neurologisch habe ich auch keinen Schaden. Jedes Mal habe ich mir über die Berührung gefreut und mich bei Hasi bedankt. Das hilft so sehr!

Und dann kam der Abend als ich während meiner Mediation bei Sven war. Ich habe ihn gebeten mir ein ganz deutliches nicht zu übersehene Zeichen zu schicken. Ja, wenn man Zweifel hat möchte man es am liebsten schriftlich in Leuchtschrift haben. Nach der Meditation ging es ab ins Bett. Ich habe kaum gelegen, da klingelte das Telefon. Einmal. Keine Nummer. Elf Uhr abends. Das ist schriftlich in Leuchtschrift und mit Ausrufezeichen! Tränen. Freude. Herzklopfen. Er ist da.

Tanja – lachende Tränen

Und endlich war es nun soweit. Während ich das schreibe sitze ich im ICE auf dem Weg nach Hause. Meine Gefühle? Gegensätzlich aber gut. Eine Ruhe ist gekehrt, wahrscheinlich Gewissheit. Glück, über Dinge ich nun weiß. Motivation, denn ich werde nie allein sein.

Für die Skeptiker zur Ausgangslage: bei der Buchung habe ich meinen Namen nicht korrekt geschrieben und auch meine Mailadresse enthält meinen Namen nicht. Außerdem erfolgt die Buchung über ein Portal und nicht beim Medium selbst. Das ich diesen Weg gewählt habe, zeigt euch, dass auch ich alles ausschließen wollte.

Als ich mit Tanja in den Fahrstuhl stieg um ins Zimmer zu gelangen. War die erste Frage: „Bist Du wegen Deinem Sohn hier? Hier ist die ganze Zeit ein junger Mann, der mir in den Arsch tritt.“ Kurz schockiert, erkannte ich Sven bereits in dieser Aussage.

Als wir Platz genommen hatten, kam eine kurze Info wie sie mit der anderen Seite kommunizieren kann. Der zweite Satz war: „Ihr seid wie ein Kopp ein Arsch, unzertrennlich.“ Die ersten Tränen liefen. Er ist da.

Es folgte so viele Details, welche keinen Zweifel daran lassen. Er ist da. Sie sind alle da!

Tanja konnte mir Dinge sagen, welche nur ich weiß. Andere Dinge die nur drei mir sehr enge Menschen auf der Welt kennen. Dinge die sie unmöglich wissen, ja nicht einmal googlen konnte.

Sie wusste zum Beispiel von meinem neuen Tattoo, welches noch nicht ganz verheilt ist. Dazu kam der Daumen nach oben von meinem Bärchen.

Sie wusste von einem Shirt mit dem ich schlafe. Svens Pulli den er die letzten Tage getragen hatte. Sie konnte mir sagen, dass der Pulli noch nach ihm riecht. Treffer. Der Pulli liegt neben meinem Kopfkissen und wenn die Sehnsucht zu groß ist, rieche ich an dem Shirt und fühle meinen Sven bei mir. Das wusste kein Mensch!

Sie hat mir gesagt, er sei so frech und ärgere sie die ganze Zeit. Klingt nach einem gut gelaunten Hasi.

Sie wusste Details über den Unfall. Über uns. Seinen Charakter. Seinen Job. Details die nur Menschen kannten die ihm sehr nah standen.

Sven hat gesagt, egal wo ich laufe er läuft immer mit mir und ich soll mich nächstes Jahr nach New York schwingen. Ich laufe dann mit ihm im Nacken. Mal was anderes sonst bin ich dem Mann immer hinterhergerannt. New York war für dieses Jahr bereits gebucht… Ohne ihn konnte es jedoch noch nicht.

Er zeigte Strand und Palmen. Ja, genau jetzt wollten wir in Cancun die Füße austrecken und die Zweisamkeit genießen.

Tanja nannte mir die Jahre die wir zusammen verbracht haben und anderen Daten welch Bedeutung hatten.

Ich habe so viele Details gehört die meinen Glauben in Wissen verwandelt haben. Worte die Sven so oft zu mir gesagt hat:

„Du wirst mich nicht mehr los.“

Exakt diese Worte hat Tanja mir mitgeteilt. Es war so unglaublich schön ihn da zu wissen und seine Art über Tanja zu spüren.

Natürlich konnte er sich nicht verkneifen mich zu ärgern und hat mir ausrichten lassen, dass ich nicht gut schwimmen kann. Mein Herzblatt live! Ich arbeite daran. Versprochen!

Es waren sooo viele Sachen die ich hier gar nicht alle aufgezählt bekomme und viele so privat, dass diese bei mir, seiner Familie und engen Freunden bleiben sollen. Die Sehnsucht wird davon nicht weniger, doch zu wissen er wird immer an meiner Seite sein macht das Leben ein Ticken erträglicher.

Meine drei Fragen musste ich im Übrigen nicht stellen, Sven kannte Sie und hat sie gleich am Anfang sehr deutlich beantwortet:

  • Er ist immer da!
  • Ihm geht es sehr gut.
  • Nein, es tat nicht weh, dafür ging es viel zu schnell.

Tanja sagte noch er redet ohne Punkt und Komma. Verständlich wir hatten ja nur die Stunde Zeit in. Und für die kurze Zeit, die er in der geistigen Welt ist, ist er sehr präsent. Tja so ist er.

Im Übrigen soll ich aufpassen, welche Fotos ich von ihm verwende. Auf einem waren die Haare schrecklich, ich weiß genau welches er meinte. Und musste da echt lachen. Selbst wo ich das Foto aufgenommen hatten waren seine Bedenken: „Meine Haare sehen scheiße aus.“

Danke, dass Du da bist mein Engel! Tritt mir bitte immer mal in den Hintern, wenn ich in der dunklen, kalten Jahreszeit vor dem Training kusche.

Stoneman Miriquidi Silber

Stoneman Miriquidi Silber

Wie alles begann

Leider ist in der Leipziger Tieflandsbucht nicht so viel mit Mountainbiken, daher kenne ich mich mit den Veranstaltungen im Mountainbike Bereich nicht wirklich aus. Es verwundert also nicht, dass ich vom Stoneman erst letztes Jahr gehört habe. Zuerst dachte ich es handelt sich um eine Art Rennen und habe es nicht weiterverfolgt. Doch nach unserem Dolomiten Urlaub im letzten Herbst war die Neugier auf ein Abenteuer mit breiten Reifen größer geworden und Google musste Antworten liefern.

Wer ist denn nun dieser Stoneman?

Roland Stauder ein großer der Moutainbike-Szene startete nach seiner 20-jährigen Rennkarriere, wovon er die Hälfte als Profi bestritt, ein spannendes Projekt. Beheimatet in den Dolomiten begann er Biketrails auszuarbeiten. Die Strecke sollte für jeden ohne Guide nach seinen eigenen Möglichkeit zu befahren sein. Nach erfolgreichem absolvieren der Strecke in 1, 2 oder 3 Tagen wartet eine wohlverdiente Trophäe auf den Sportler. Als Nachweis, dass man die Strecke wirklich absolviert hat, wartet auf den höchsten Punkten eine Zange zum einstanzen eines Symbols in ein Armband. Der Stoneman Dolomiti war geboren.

Inzwischen gibt es für Radsportler im Gelände sowie für die Straße ordentlich Kilometer zu fahren:

Interessant finde ich die Trophäe. Auf einem hölzernen Sockel wird ein Stein befestigt und auf diesem das Stoneman Symbol. Der Stein hat die Farbe der erfahrenen Leistung: 1 Tag für Gold, 2 Tage für Silber und 3 Tage für Bronze. Spannend wird es in meinen Augen bei der Mehrfachteilnahme. Man erhält ab der zweiten Teilnahme nur noch einen Stein ohne Sockel und baut Quasi seine Trophäe auf. So entsteht nach und nach ein Steintürmchen. Mich erinnert das an die Steintürme denen man gern in den Südtiroler Bergen begegnet.

Stoneman Miriquidi

Wir hatten bereits letztes Jahr nach unserem Mountainbike Urlaub den Miriquidi ins Auge gefasst. Mein Kalender zeigt noch die Einladung von Sven. Wir wollten so noch ein paar Tage Outdoorluft im Herbst schnuppern und den Rädern die Landschaft zeigen. Runter von der Straße rein in die Natur.

Da ich mit Sehnsucht an die tollen Tage in den Dolomiten zurück denke und mich zu gern daran erinnere wie sich das Biken in einem tollen Flowtrail anfühlt wollte ich unbedingt den Stoneman noch dieses Jahr fahren.

Das Universum war auf meiner Seite. Eine Woche nach unserem ursprünglichen Termin waren die Stoneman Days mit Gründer Roland Stauder geplant. 2 Tage, 162km, 9 Gipfel mit 4400 Höhenmetern wollten gefahren werden. Nur ganz, ganz kurz gezögert…

Der Tag davor

Mein Business ist derzeit sehr fordernd und zwingt mich dazu der Freizeit etwas weniger Raum zu geben. So war die Vorbereitung für die zwei Tage mangelhaft. Am Donnerstag holte ich mein Canyon gegen 18 Uhr aus der Werkstatt und investierte eine volle viertel Stunde ins Einstellen für die kommenden zwei Tage. Das ging fast gut, aber nur fast…dazu später mehr.

Am Abend dann endlich mal die Reiseunterlagen gelesen. Kurz in Panik geraten. Den Veranstalter angeschrieben. Panik wieder abgestellt. Rucksack für das Biken gepackt. Tasche für die Übernachtung gepackt. Verpflegung zusammengesucht. Schlafen gegangen.

Silber Tour Tag 1

Nach einer unruhigen, kurzen Nacht. Meinte der Wecker am Freitag 4:50 Uhr es wäre Zeit das warme Bett zu verlassen. Wirklich schwer war es nicht, was hält mich schon…

Den armen Labrador Balu um diese Zeit zu überzeugen aufzustehen war deutlich schwerer. ?

Wie geplant saß ich um 5:45 Uhr im Auto mit Ziel Landhotel Rittersgrün in Breitenbrunn. Zum Glück war es eine unspektakuläre Anreise mit Landung gegen dreiviertel acht. Gepäck abgeben. Rad raus. Helm auf und auf den Startpfiff warten. Die Stimmung war entspannt und freundlich. Viele waren bereits am Vortag angereist und kannten sich daher schon.

Viertel neun saßen wir auf den Bikes und kurbelten die ersten Höhenmeter des Tages. Ein Glück wusste ich da noch nicht wie das Enden sollte.

Höhenprofil Tag 1 der Silber Tour

Auf dem Weg zum ersten Gipfel, dem Rabenberg, kam es zu den ersten Gesprächen und Kennenlernen. Wo kommst Du her und was machst Du sonst so? Für mich spannende Fragen mit spannenden Antworten. Da hatten wir einen Leipziger, der in den Bergen fitter aussah als Meinereiner. Einen Bayer, naja wohl Berge gewöhnt. Einheimische die spontan die Strecke heute mitfahren wollten und Jenny. Jenny als aktive Wettkämpferin bei Mountainbikemarathons ist auch Höhenmeter gewöhnt. An der der Stelle war ich gespannt was meine  Flachlandbeine zu der Nummer sagen würden.

Auf dem Rabenberg angekommen, erstmal ein paar schwere Momente und ein Kampf mit den Emotionen. Vor einem guten Jahr standen Sven und ich hier oben. Es ist der Veranstaltungsort des Saxoprint Sachsentrails. Auch dieses Jahr waren wir gemeldet. Der Start wäre zwei Tage nach dem Umfall gewesen… Zum Glück hat mich Roland Stauder in ein Gespräch verwickelt.

Es gab ein paar Kekse für die Heike, in Form von Lob für meine Fahrtechnik im Trail. Kenne ich schon von den Guides in den Dolomiten. Freue mich jedes Mal darüber. Vor allem mit dem Hintergrund, dass zu diesem Zeitpunkt meine Erfahrung auf dem Mountainbike gesamt im Gelände bei rund 210 km lag.

Sobald ich in einen Trail starte kann ich einfach rollen lassen. Vollstes Vertrauen in das Rad und meinen Popmeter (kennt ihr den Begriff?). Die Geräusche, wenn der Freilauf surrt, die Dämpfer arbeiten, die Kette durchgerüttelt wird, der Fahrtwind in den Ohren rauscht, dann kann ich lächeln. Das ist der erste Sport der in diesem Maß Taekwondo das Wasser reichen kann. Ich musste das auch nicht üben. Fully gekauft in den Dolomiten gefahren aufgestiegen und einfach gefahren. Wäre ich doch nur im Ausdauersport so talentiert…

Was ich allerdings hätte wohl genauer Bedenken müssen: 4400 Höhenmeter sind verdammt nochmal wirklich viel! Gefühlt ging es den ganzen Tag bergan, die Trailpassagen sind nur Sekunden im Vergleich. Verdammte Axt!

Wir „erstürmten“ Gipfel für Gipfel insgesamt sollten am Tagesende 6 Löcher in der Karte sein. Dann hieß der nächste Anstieg ist der Schlimmste. 600 Höhenmeter und ein wirklich steiniger Weg. Königsanstieg habe ich wohl irgendwann fallen hören. Ich kann euch sagen, dass Ding hat es in sich. Die Oberschenkel meldeten dann auch ganz brav Laktat an, da wäre ein Wattmesser doch sehr spannend gewesen.

Und nun kommt die Stelle warum nur 15 Minuten für das Einstellen des Bikes investiert zu haben nicht die geschickteste Einlage war. Der Sattelkontakt war ab einem gewissen Punkt nicht mehr nur schmerzhaft sondern kaum zu ertragen. Wenn es steil wird ist auch nix mit hinstellen, dann muss man einfach sitzen. Ich sage nur über 43 Minuten für 5 Kilometer! Ich bin ja Kummer mit langen Fahrten und mal einem Druckschmerz gewöhnt doch das war anders. Wie anders stellte sich später im Hotel beim Duschen heraus. Nur ein Wort: Pavianpo. Und der war nicht nur rot…

Sonnenuntergang vom Klinovec

Genug gejammert zurück zum Anstieg. Der fünfte Gipfel war der Klínovec und hier entschädigte uns ein traumhafter Sonnenuntergang für die Quälerei. Ein Naturschauspiel dem ich wohl nie überdrüßig werde.

Der aufmerksame Leser hat in diesem Moment große Augen. Sonnenuntergang? Auf dem Gipfel? Äh ja, wir waren etwas spät dran. Während der Abfahrt dämmert es so langsam vor sich hin und auf dem weiteren Anstieg zum finalen sechsten Gipfel des ersten Tages brach endgültig die Dunkelheit über uns herein. So legten wir die letzten Meter im finstern zurück und hofften auf wenig große Steine und einen glatten Weg.

Wie üblich hatte ich mal wieder die Ernährung verkackt und die Oberschenkel waren der Meinung, dass die finalen 200 m auch zu Fuß zu bewältigen sind. Wer sein Fahrrad liebt der schiebt und der Po war überglücklich darüber.

War ich froh als mir Roland auf dem Fichtelberg ein Balisto und ein Snickers in die Hand gedrückt hat. Gesund? Nein, aber Energie!

Nun stand da eine Traube Mountainbiker auf dem Berg und musste wieder ins Tal. Dunkel und ohne Sonne war es auch, sorry, beschissen kalt. So musste ich mich auch etwas zusammenreisen, denn wenn es kalt wird werde ich zur Püppi un die Laune fällt. Die Idee uns sicher ins Tag zu befördern war großartig. Unser Begleitfahrzeug fuhr mit Fernlicht hinter uns. Wir als Traube eng davor. Wir sahen genug und von hinten konnte nichts geschehen. Das hat echt klasse funktioniert!

Vor dem Hotel zeigte mein Garmin schließlich 97,3 km und 2835 Höhenmeter. Meine Haut sagte -25 Grad und mein Magen essen! Das Gefühl ins warme Hotel zu gehen: unbezahlbar!

Wie so oft in den letzten Wochen war meine Ressource für sozialen Kontakt am Abend aufgebraucht. Was der Anblick des Doppelbettes mit nur einmal Bettzeug und das erste Mal ohne meinen Sven in einem Hotel nicht besser machte. So entschied ich mich allein Essen zu gehen und nach der heißen Dusche mit einem Buch im Bett zu verschwinden. Gerade am Abend schwappt die Welle der Sehnsucht immer ganz gewaltig.

Silber Tour Tag 2

Wahrscheinlich könnt ihr euch vorstellen, dass ich echt Angst vor dem ersten Sattelkontakt hatte. Die Schwellung ist zwar gut zurückgegangen, aber Haut heilt nicht über Nacht…
Mein erster Gedanke: ich fahre so lange es geht im Stehen. Das funktionierte keine 300 m dann ging es schon wieder bergauf. Autschn!

Doch ein Geistesblitz hatte mich kapieren lassen warum es gestern so ausgeufert ist. Der Sattel war schlicht zu hoch. Nicht viel, aber zu hoch. Dadurch bin ich etwas hin und her gerutscht et voilà Pavian…

Heute wollten nur drei Gipfel erklommen werden, dennoch war ich nach dem gestrigen Tag etwas misstrauisch wie diese sich wohl gestalten sollten.

Erstaunlicherweise flogen die Kilometer vor sich hin. Der erste Anstieg zum Bärenstein war asphaltiert und fuhr sich dementsprechend gut. Mit der passenden Sattelhöhe deutlich komfortabler.

So sammelt sich Kilometer für Kilometer und Höhenmeter für Höhenmeter. Das Wetter ist ein Traum. Sonnenschein und nahe der 20 Grad Marke. Einfach perfekt!

Bei einem Anstieg sahen wir wie gerade ein Rettungshubschrauber am Starten. Da schossen mir direkt die Tränen in die Augen. Und ich frage das Universum: Warum hat mein Schatz nicht die Chance bekommen zu fliegen und wieder gesund zu werden?  

Auf der Strecke des Stoneman Miriquidi sieht man immer wieder Versorgungsstellen wo man Wasser auffüllen und anderen Getränke über die Kasse des Vertrauens kaufen kann. Wie ich erfahre sind es Privatpersonen die uns Bikern diese kleinen Oasen schaffen. Als wir bei einer halten sind die „Versorger“ vor Ort. Es wird direkt geredet, bedankt und ein paar Fotos geschossen. Tolle Menschen, danke!

Und auf einmal trennte uns nur noch ein Anstieg vor dem Ende der Tour. Wir waren noch nicht weit gekommen als vor mir Roland vom Fahrrad springt und auf ein paar Menschen zu läuft. Ich sah eine umgestürzte Kutsche und dachte zuerst er möchte helfen diese aufzurichten. Dann sah ich das Pferd. Es lag auf dem Rücken im Graben. Seile waren um seine Beine gebunden und ein paar Männer versuchten es auf die Beine zu ziehen. Nach ein paar Anläufen gelang dies auch.

Da stand nun auch stattliches Kutschpferd vor mir. Ich konnte seine Angst spüren, seine Schmerzen fühlen. Er wieherte sobald er das Vorderbein leicht belastete. Mir schossen wieder mal die Tränen in die Augen. Ich fühlte mich so hilflos. Am liebsten wäre ich hingegange und … Was hätte ich schon tun können? Wankend und laut wiehernd wird der Braune auf die Wiese geführt und wir mussten weiterfahren. Mir tat es so unendlich leid und ich hoffe und wünsche mir sehr, dass der hübsche Kerl wieder gesund werden darf. Sowas nimmt mich echt mit. ☹

Nach diesem traurigen Erlebnis kam die ekelige schier endlose letzte Steigung wie gerufen. Stoisch konnte ich in die Pedale treten, die Gedanken schweifen lassen und den Anblick verarbeiten.

Oben angekommen ist die Brust aller Teilnehmer etwas breiter und Grinsen machte sich in den Gesichtern breit. Es gibt High Fives und Glückwünsche. Denn nun sind wir alle silberne Steinmänner!

Es war eine sehr kluge Entscheidung die Tour zu fahren. Keine Mails, kein Laptop, keine Arbeit. Zwei Tage Natur, ordentliche körperliche Arbeit und nette Menschen. Mit Jenny habe ich besonders viel reden können und wir wollen es nicht bei der letzten gemeinsamen Tour belassen. Etwas mehr auf was ich mich nun freuen kann.

Weiter geht’s! – 2019

Weiter geht’s! – 2019

Das Jahr ist für mich weitestgehend abgehakt. Die Triathlon Saison ist vorbei. Die Reise zu unserem zweiten Major Six Marathon gecancelt. Am 04. November wollten Sven und ich in New York an der Startlinie stehen und uns den zweiten Stern der Serie holen. Sven hatte die Reise organisiert, geplant und mich damit überrascht. In einem Hotelzimmer zu schlafen, in dem wir zu zweit hätten sein wollen wäre zu viel gewesen. Also habe ich mich den Zielen für 2019 gewidmet.

Das Gerüst steht

Wir hatten unser Jahr immer schon weit im Voraus geplant. Mit den uns gesetzten Zielen hatte wir immer etwas auf was wir uns freuen konnten. Mir hilft die Planung nun dabei weiter zu machen und nicht stehen zu bleiben. Ganz in seinem Sinne.

Die vielen kleineren Läufe lasse ich nächstes Jahr allerdings ausfallen. Zu groß die Erinnerung an die gemeinsamen Starts.

April

  • Airport Night Run Berlin
    Auf der Terrasse von Freunden in Berlin entstand der Deal per Handschlag. „Nächstes Jahr laufen wir gemeinsam.“ Natürlich halten wir unser Versprechen und starten mit und für Sven. Die Vorbereitungen laufen hier bereits und ich verfolge die „Neuläufer“ auf Ihrem Weg.
  • Spreewaldradmarathon
    Dieses Jahr hatten wir gemeinsam so tolle Windschattenarbeit auf 110km geleistet. Viel Lob haben wir uns damit eingefangen. Nächstes Jahr wollten wir einen drauflegen und sind bereits für 150km gemeldet. Natürlich starte ich für uns!

Mai

  • Rennsteiglauf Halbmarathon
    Wir haben praktisch noch in den Laufsachen gesteckt als wir bereits für den Rennsteiglauf 2019 gemeldet waren. Sven hatte entdeckt, dass der Lauf Spaß macht, wenn man hier ohne Ambitionen startet. Unsere Tradition führe ich 2019 fort.

Juni

  • Ironman 70.3 Kraichgau
    Nach dem mein Debüt dieses Jahr ins Wasser gefallen ist. Wird wohl Kraichgau meine erste komplette Halbdistanz. Der Wettkampf wird auch eine kleine Standortbestimmung für den Juli.

Juli

  • Challenge Roth
    Die erste Langdistanz! Sven’s Unfall war kurz vor Roth dieses Jahr. Wir wollten hinfahren, anfeuern und einen Startplatz für 2019 sichern. Ganz tolle Menschen haben mir ermöglicht diesen Plan zu verfolgen. So werde ich Roth mit den besten Freunden an meine Seite rocken. #jst4uSven

August

  • Stoneman Miriquidi Gold
    Dieses Jahr wollten wir die Strecke von 162km und 4400Hm im September in drei Tagen fahren. Das wäre dann Bronze gewesen. Ich wäre nicht ich, wenn ich nicht schon Gold (einen Tag fahren) im Kopf gehabt hätte. Zum austoben und Frust rauslassen!

September

  • Ironman 70.3 Zell am See
    Die Medaille dieses Jahr sieht zwar auch schön aus. Aber für ein wenig Planschen und einen Halbmarathon einfach nicht verdient. Also 2019 bitte keinen Wintereinbruch Frau Holle!

November

  • New York City Marathon 
    Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Major Six waren sein großes Ziel. Ich bleibe dran und will den zweiten Stern bei dem legendären New York Marathon holen.

Weiter geht’s

Jeder der Sven kannte weiß, dass er ein Mensch war der sich nicht unterkriegen lies. Der Blick ging immer nach vorn. Das Beste aus allen Situationen rausholen, beschissene Dinge so schnell es möglich ist abhaken. Neue Ziele und Herausforderungen suchen.
Das gehört zu den Dingen die ich von ihm lernen durfte.

Der Blick nach vorn. Abhaken kann ich natürlich nicht, aber so weiter machen wie er es mir zurufen würde. Mit seinen Worten im Ohr und den sportlichen Zielen, die mir helfen auf der Spur zu bleiben, liegt mein Fokus nun darauf auch beruflich den passenden Weg für mich zu finden.
Danke mein Bärchen! <3

 

Ironman 70.3 Zell am See – Das passende Debüt

Ironman 70.3 Zell am See – Das passende Debüt

Die Planung

Dieses Jahr sollte es so richtig los gehen mit dem Triathlon. Ich habe letztes Jahr bei zwei Sprintdistanzen in den Sport geschnüffelt. Beim Zusehen hat auch Sven Appetit bekommen und gemeint es sei doch etwas abwechslungsreicher als nur zu Laufen. So kam es wie es kommen musste und am 15.11.2017 gesellten sich unsere Namen auf die Starterliste des Ironman 70.3 in Zell am See.
Wir wollten uns als Triathlon-Saison Highlight den 1,9km Schwimmen – 90km Rad fahren – 21,1km Laufen stellen. 

Seit Mai begleitet mich ein Coach auf meinem sportlichen Weg, einfach weil ich alles richtig machen möchte und ich keinen Dunst habe wie ich drei Sportarten geschickt für das Training kombiniere. Konnte ich für unsere Laufevents noch die Trainingspläne selbst schreiben war an der Stelle für mich Schluss.
Sven wollte Erfahrungen beim neuseenMAN und beim Leipziger Triathlon sammeln, das Training setze er nach den Plänen im Magazin Triathlon um. 
So gerüstet sollte es am 23. August für 10 Tage nach Zell am See gehen.

Das Universum hatte für uns anderen PläneSo wurde aus dem gemeinsamen Debüt ein Debüt mit beleierndem Herzen und wenig freudigen Momenten. So viele Menschen waren für mich da und dennoch vermochte keiner den Schmerz auch nur im Ansatz zu lindern.

Die Anreise 

Aus dem geplanten Urlaub wurde ein reines Triathlon Wochenende. Freitag Abend die Anreise. Samstag die Abholung der Startunterlagen und Check-In. Sonntag Raceday und schließlich am Montag Morgen zurück.
Zum Einen kann ich einfach keinen Urlaub mehr machen, da ich das Geschäft nicht einfach aussetzen kann, zum Anderen hätte ich es in den Bergen ohne Schatzi einfach nicht länger als nötig ertragen.

Viel zu viel Platz 🙁

Also belud ich am Freitag das Auto, in dem mit nur einem Athleten abartig viel freier Platz übrig bleibt, und startete am Nachtmittag mit meiner Mam Richtung Zell am See. 
Gegen zehn am Abend schlugen wir bei strömenden Regen auf und waren froh als wir die Unterkunft gefunden hatten.

 

 

Das Betreten des kleinen Studios im Herzen von Zell mit einer ganz tollen Aussicht über den See schnürte mit die Luft hab. Mehrfach hatten Sven und ich uns im Vorfeld die 360 Grad Fotos angesehen und wusste auch schon wo die Fahrräder schlafen sollten. Nun allein dort zu stehen war einfach beschi… Und ich konnte es nicht erwarten früh das Zimmer wieder verlassen zu können.

Ironman – der erste Kontakt

Noch nie war ich auf einem Ironman Event und dementsprechend war ich neugierig was mich erwartete. Dies ging wohl nicht nur mir so, denn fünfzehn Minuten vor der Öffnung des Ferry Porsche Congress Centers und damit der Ausgabe der Startunterlagen sammelten sich schon eine ganze Menge Athleten vor dem Eingang.

Die Orientierung war einfach und schließlich nicht anders als bei den Laufveranstaltungen. So hatte ich in kürzester Zeit meine Startnummer 588 in der Hand.

Neben der Ausgabe der Startnummern befand sich ein Whiteboard auf dem sich die Athleten verewigen durften. Über diesem prangte ein für mich besonderer Satz: „See you at the finish line!“ Zack wieder Pippi in den Augen. 

Aus Marketing-Sicht clever gab des den zweiten Teil der Startunterlagen, die Beutel für die Wechselzone, ganz am Ende des großen Merchandising Zelts. Als wäre da nicht sowieso jeder Teilnehmer rein gelaufen. 😉
Mit großen Augen ging ich durch die Reihen von Klamotten und vermutlich hätte ich dort ein kleines Vermögen ausgegeben. 
Da ich jedoch unser mein Messeverhalten kenne hatte ich schon von Vornherein ein Budget eingeplant und auch nur dieses einstecken. Frau will ja schließlich auch nach dem Wettkampf noch was essen.

In der Ecke mit dem Finisher Shirts liefen dann auch schon wieder die Tränen. Auf dem Rücken der Shirts stehen die Namen aller Teilnehmer. Als ich den Namen Sven Surma lese, kann ich die Tropfen nicht mehr zurückhalten. Auf diesen Shirts sind wir für immer vereint. Am liebsten hätte ich alle mitgenommen. Vor meinem geistigen Auge sehe ich uns gemeinsam hier stehen und uns darüber freuen bald stolz wie Bolle diese Shirts tragen zu können.

Lichtblicke – ein Wiedersehen

Nach fast 3 Jahrzehnten endlich wieder gesehen.

Zwei Jacken, ein Hoodie (der muss einfach immer sein), ein Basecap und ein Mütze später ging es Richtung Grand Hotel. Wie der Zufall so will war gerade zu diesem Zeitpunkt meine Tante mit Mann und Geschwistern in der Gegend. Ein Wiedersehen nach fast 30 Jahren.

Unveränderte Herzlichkeit schossen meiner Mam und mir entgegen. Ein superlieber Ehemann der 70 Jahre aktiver Leistungssportler im Radrennen war und erst seit kurzen nicht mehr draußen fahren kann. Der Hammer! Das wir Gesprächsstoff hatten steht wohl außer Frage. 

Die Stunde im Kreise dieser warmherzigen Menschen verging wie im Flug und war Balsam für die Seele. Mir ist die Kinnlade auf den Tisch gefallen als ich hörte, dass ich hier mit Damen und Herren um die 80 Jahre sprach. So fit und gut drauf, da kann sich so mancher mit 60 eine Scheibe abschneiden. Etwas traurig verabschiedeten wir uns, da mein Check-In noch an stand. Diesmal vergehen aber keine Jahre bis zum nächsten Treffen!

Unmittelbare Wettkampfvorbereitung

Regenlauf zum Beine ausschütteln.

In Zell am See tobte das Verkehrschaos darum beschloss ich kurzerhand mit dem Rad zum Check-In zu fahren und den Rückweg zu laufen. Die Beine wollten eh nochmal ausgeschüttelt werden. Auf Grund des vielen Wassers von oben, musste auch nur der Helm mit. Das Running Gear durfte noch bis zum nächsten Morgen im Trockenen bleiben.

Zurück im Zimmer hieß es für mich Gedanken zusammen nehmen und alle Wettkampfutensilien auf die Tüten zu verteilen. Bei meinen bisherigen Triathlons bin ich ganz entspannt mit dem super genialen Transition Bag (Geburtstagsgeschenk vom Hasi) in die Wechselzone marschiert, habe alles vorbereitet und bin wieder rausmarschiert. Die Tasche ging danach ins Auto und gut war.
Diesmal war kein Auto in der Nähe und meiner Mutter konnte ich wohl kaum die Riesentasche auf den Rücken hängen, wäre sie vermutlich zehn Zentimenter kleiner gewesen nach meiner Rückkehr.

Also Bike-Klamotten raus. Hier haderte ich noch ob Regenjacke oder Armlinge und Weste. Der Morgen sollte die Entscheidung bringen.
Laufzeugs, Nahrung, Wechselsachen und die Utensilien für das Planschen folgten. Das Zimmer sah nun aus als wäre ein Sportler explodiert, praktisch wie immer.

Draußen schüttete es und die Temperatur lag unter 10 Grad. Ich machte mir berechtige Gedanken was das Radfahren betrifft. Bei den Bedingungen sind schnelle Abfahrten nicht ganz ohne. Auf meinem Mountainbike mit den Scheibenbremsen wäre ich ja cool geblieben, aber mit den Carbonfelgen macht sowas wenig Freude. Von wirklicher Wettkampfnervosität kann ich allerdings nichts berichten, bin ich in der Regel recht relaxt. In der Vergangenheit konnte ich meist mit Vorfreude statt mit Nervosität aufwarten.

Crazy Raceday

Die Gipfel sind schon weiß vom Neuschnee.

Erste Schnee gesichtet.

Nach dem Weckerklingeln das übliche Prozedre, ihr kennt es schon. Ab ins Bad, Frühstück essen, Sachen schnappen und los. Das Thermometer meldete sechs Grad, damit war dann auch die Bekleidungsthematik geklärt. Die neue Regenjacke darf an die frische Luft.

Auf dem Weg zum Start kamen wir an einem telefonierenden Streckenposten vorbei und ich hörte noch: „also kein Rad heute.“ Mit neugierigem Blick ging ich auf ihn zu und er sagte mir direkt: „Do you know the latest news? There is no bike today, it’s too cold.“
Ward ihr schon einmal enttäuscht und erleichtert zu gleichen Zeit? Ein interessantes Gefühl. Enttäuscht, weil ich mich seit Monaten auf den Wettkampf vorbereitet habe und echt gern Rad fahre. Erleichtert, weil die Wetterverhältnisse abartig waren. 
Später sah ich Bilder von der Radstrecke: Schnee auf dem Berg und überflutete Straßen im Tal. Der Veranstalter hat also absolut richtig entschieden. Safety first!

Im Startbereich angekommen hörte ich die nächste, jedoch logische, Überraschung: Startzeit von 11:10 Uhr auf 13:20 Uhr verschoben.
Klar die Absperrungen der Straßen für den Lauf unterliegen ja einem Zeitplan und können nicht mal eben spontan um ein paar Stunden nach vorn gezogen werden. Also ab ins nächste Cafe zum Aufwärmen und Tee trinken. 

Mein erste Swim and Run

Endlich war es soweit und ich stand eingepackt im Neo und barfuß am Schwimmstart. Da ich wenig Interesse an Hektik hatte und auch keine Vorstellung wie sich ein rollender Start von der Schwimmerdichte so anfühlt, ordnete ich mich im langsameren Feld ein. Blöde Idee wie sich herausstellen sollte.

Wir hörten den Startschuss um 13:20 Uhr. Doch wir standen. Und standen. Und standen. Wie toll sich das bei 6 Grad Außentemperatur anfühlt muss ich wohl nicht näher erläutern. Inzwischen hatte ich zwei Ladies kennen gelernt. Wir unterhielten uns wirklich gut. Für alle drei sollte es die erste Mitteldistanz werden, was ein toller Zufall. So tauschen wir uns aus und hielten uns durch das Reden warm. 

Als die Sprache auf die Familie kam, musste ich mich zusammenreisen. Es ging darum, dass der Partner echt Verständnis haben muss oder selbst ein Athlet sein um die Vorbereitungszeit zu verstehen. Auf der einen Seite dankbar genau so einen Partner gehabt zu haben auf der anderen Seite dieses fiese laute schwere Herzklopfen vor Trauer und Sehnsucht.

Nach knapp einer Stunde rum lungern kam endlich Bewegung in unsere Startwelle. Stück für Stück rückten wir dem See entgegen. Wir wünschten uns Glück und tauschten die Startnummern aus. Dann ging es ab ins kühl… nee ins warme Nass. Herrlich das Wasser mit gut 21 Grad. Eine Wohltat für die Füßen und Hände. Die ersten Schwimmzüge hatte ich Probleme. Ich konnte unter Wasser einfach nicht ausatmen. Ein paar konzentrierte Brustzüge waren nötig um meinen Rhyhtmus zu finden.
Es war ein Traum soviel Platz zum Schwimmen zu haben, keine Ellbogen oder Füsse denen man ausweichen musste. 

Diesmal hatte ich auch zu keinem Zeitpunkt Angst auf dem See, was mir sagt es ist wirklich nur die Hektik von Massenstarts ist die mir Unbehagen bereitet. Good to know.
Raus aus der warmen Wanne und rein in die kalte Realität. Das Wechselzelt war auch etwas geflutet, weshalb es hier eng zur Sache ging. Die Wechselzeit war mir gelinde gesagt total schnuppe. In Ruhe die Socken und Schuhe, dann die Weste angezogen, einen Schluck aus meiner Gelflasche genommen und ab auf die Laufstrecke. 
Schon mal Socken über nasse Füsse gezogen? Super sage ich euch.

Fokus auf den Lauf.

Die Nummer mit dem Laufen.
Gerade habe ich da eine mentale Blockade. Sobald ich etwas lese um die 5:30er Pace, sagt mein Kopf zu schnell, das schaffst Du nicht. Meine Halbmarathon PB von 1:48h sagt da was anderes und mein Coach auch. Im Vorfeld haben wir darüber gesprochen und er hat mir hier ein paar tolle Gedanken mit auf den Weg gegeben. So war mein Ziel für den Tag eine 5:30er Pace.

Wie von allein lag mein Fokus immer auf dem aktuellen Kilometer. Kein es sind noch 19 oder boar ist das noch weit, einfach von Kilometer zu Kilometer gearbeitet. Auf meine Garmin habe ich immer erst nach dem Pieps geschaut und abgeglichen. Ich lag immer gut unter meiner Wunschzeit. Ein etwas längerer Anstieg war dabei, doch bergab kann man ja rollen lassen also egal hier ein paar Sekunden länger zu brauchen.
Kurz vor Schluss bei Kilometer 16 konnte ich dem Gefühl nicht mehr vertrauen auf einmal war die Kilometerzeit viel zu hoch. Aktiv an der Gasschraube gedreht und tatsächlich, dass ging noch. Ein Spaziergang war es nun nicht mehr, aber es lief.

Auf diese Weise verflogen die Kilometer. Im Handumdrehen durfte ich links Richtung Ziel abbiegen. Der Zieleinlauf war schmal und von Menschen gesäumt die einen feierten. Natürlich freut man sich als Athlet auch wenn man ja irgendwie nur einen Halbenmarathon gerannt ist und kein wirklicher Ironman Finisher wird.

Ich sollte den Halbmarathon mit einer 5:25er Pace und einer Gesamtzeit von 1:54:23 ins Ziel bringen. Damit ist der erste Schritt zum überwinden der mentalen Barriere getan. Tschakaa!
Das Schwimmen war mit 39:51 Minuten nicht soo dolle. Hier werde ich auf jeden Fall den Winter dran arbeiten. Denn nach den Wettkampf ist vor dem Wettkampf.

Als 70.3 Finisher sehe ich mich nun nicht, aber als ein Survivor dieses verrückten Rennens. Das bleibt auf jeden Fall im Gedächtnis.

Ich war froh den Koffer nun wieder packen zu können und die Heimreise anzutreten. Uns hätte jetzt noch eine Woche Urlaub bevor gestanden, ganz entspannt in den Bergen regenerieren. Vermutlich die Wälder mit dem MTB durchstreifen und einfach die Zeit genießen nach dem aufregenden Arbeitsjahr. Es vergeht einfach keine Minute in der meine Gedanken nicht bei Sven sind.

35. Leipziger Triathlon – Allein

35. Leipziger Triathlon – Allein

Keine Zeit

Wir waren dieses Jahr bereits auf so vielen Sportevents und habe ich davon geschrieben? Natürlich nicht, spärliche drei Blogposts habe ich zu Stande bekommen. Warum? Immer das Gleiche: keine Zeit.

Echt nicht? Sven hat immer gesagt: „Es ist immer eine Frage der Priorisierung, die Zeit findet man, wenn es wichtig genug ist.“ Stimmt!

Mal eine Serienfolge weniger schauen, mal Facebook oder Instagram zulassen. Lücken gibt es sicher genug, wenn man will. Es war mir einfach nicht wichtig genug, man hat ja genug (Lbens) Zeit. Nein, hat man nicht!

Ergo setze ich nun die Prioritäten besser und lasse die Soziale Welt oder Prime Video mal allein. Ich versuche alle Events bestmöglich aufzuarbeiten. Warum?

Erinnerungen! Einfach weil ich es nicht vergessen möchte und weil er sich immer total gefreut hat, wenn er seinen Namen „Schatz“ hier lesen konnte. Mit etwas Glück habt auch ihr Spaß daran.

Und direkt wird es in die Tat umgesetzt, keine Erinnerung sondern aktuell. Lest vom 35. Leipziger Triathlon.

Die Startunterlage

Die Startunterlagen abholen sehe ich als erste Herausforderung. Schließlich geht es nicht nur um meine sondern um unsere. Schatzi’s Unterlagen einfach liegen lassen bekomme ich nicht über das Herz.

So stehe ich mit Pippi in den Augen am frühen Samstag Nachmittag im Roten Haus am Kulkwitzer See und sammle unsere Startbeutel für den 35. Leipziger Triathlon ein:

  • 2017: 2 Menschen, 1 Startbeutel
  • 2018: 1 Mensch, 2 Startbeutel

Das Leben kann ein Arschloch sein, oder?

Mir wird angeboten den Startplatz weiterzugeben, da es einige gibt die auf der Suche sind. Nur kurz hadere ich. Was hätte Sven gewollt? Er war Sportler und damit ist die Sache klar. Ein andere soll die Chance bekommen diesen Triathlon zu bestreiten.

Ich wähle also eine der Telefonnummern die ausliegen. Thomas meldet sich, er steht noch direkt vorm Meldebüro. Wir finden zusammen und gehen die Formalitäten an. Auf dem Weg zur Orga erfährt er die Geschichte hinter dem Startplatz. Als einer der Helfer anbietet den Namen auf der Startnummer zu überkleben fragt Thomas mich ob es ok ist, wenn er mit Sven seinem Namen startet. Gänsehaut, ich kämpfe mit den Tränen. Ja natürlich, dass hätte ihn so gefreut. Genau das ist einer der Gründe warum wir… ich Sportler bin, die Menschen sind in Sportsachen andere als in Jeans. Thomas und ich nehmen uns vor am nächsten Tag nochmal zu sehen.

Raceday – der Morgen

Der Start des Leipziger Triathlon ist erst 11:10Uhr daher klingelt der Wecker nicht allzu zeitig. Bis auf den Neo ist alles schon verpackt. Mir bleibt also nur noch das Frühstücken übrig. Sonst gab es vor Wettkämpfen, so wie eigentlich täglich, immer Oatmeal mit Obst. Heute breche ich mit der Tradition und esse Waffeln! Ja, im Moment ist die Ernährung nicht 100%, des Öfteren nutze ich stimmungsaufhellende Süßigkeiten.

Gegen neun habe ich Fahrrad, Tasche und meine Mum im Auto verstaut. Wie sonst auch bei Wettkämpfen in der Nähe ist sie mit der Kamera an Board.

Gegen halb zehn treffen wir am Kulkwitzer See ein. Wir haben also noch eine Menge Zeit und können etwas trödeln. Vor dem Check In treffe ich auf eine Freundin, die extra kurz vorbei gekommen ist. Nach einem kleinen Plausch wird es für mich ernst: der Check In. Allein.

Der Wechselgarten

Startnummern Sven und Heike

Das letzte Mal hängen unsere Startnummern nebeneinander.

Es kam wie es kommen musste. Das Vorbereiten des Wechselplatzes geht nur mit Tränen in den Augen. Dennoch versuche ich konzentriert alles abzuarbeiten. Noch vor sieben Wochen, standen wie lachend nebeneinander. Haben und gegenseitig Tipps gegeben und auf ein geiles Rennen gefreut. Jetzt ist es ein ganz anderes Leben.

Neben meinem Fahrrad, steht bereits das Bike von Thomas. Sven seine Startnummer hängt über dem Lenker. Die Welt verschwimmt ein weiteres Mal vor meinen Augen. Es ist jetzt das letzte Mal, dass unsere Namen so nebeneinander stehen.

Der Start und das Schwimmen

Draußen muss ich mich erstmal sammeln. Die traurigen Gedanken verbannen und mir vor Augen rufen, dass Sven ja da ist. Ich kann ihn eben nur nicht sehen. Ja, ich bin mir sicher, dass er mir in verschiedenen Situationen beisteht und einen Triathlon lässt er sich sicher nicht entgehen.

Ich sage euch nichts lenkt besser ab als einen Neoprenanzug anzuziehen und man ist direkt auf Betriebstemperatur. Heute wird mein erster Start und das erste Schwimmen im Neo sein. Nach dem Kauf waren wir einmal mit dem Neo am See und sind keine 200m gekommen bevor ein Gewitter losgebrochen ist. Da hat das Anziehen länger gedauert als die Bewegung…

Ein paar Minuten schwimme ich mich ein und schaue mir die Schwimmstrecke an. So richtig Plan habe ich gerade noch nicht, aber irgendeine Hausaufgabe muss man ja vergessen. Also nehme ich mir vor am Start jemanden zu fragen.

Pünktlich 11:10Uhr fällt der Startschuss. Natürlich habe ich niemanden gefragt. Einfach keine Lust auf Kommunikation. Von der Startlinie aus kann man sich alles ganz gut zusammenreimen und da ich sicher nicht vorne weg schwimme sollte es nicht das Problem sein.

Der Start erscheint mir heute rauer als sonst, ich denke aber ich bin nur etwas sensibler die Tage. Eine ganze Weile brauche ich um rein zukommen. Geschätzt bin ich jetzt etwa tausend Meter im Wasser als wirklich Ruhe reinkommt und ich mich im Rhythmus fühle. Die Gedanken sind noch recht laut und gehen in alle Richtungen. Von altbekannter Angst im Freiwasser bis zu wie schön wäre es wenn Sven hinter mir wäre und kann der Arsch nicht mal Platz machen ist alles dabei.

Neoprenanzug nach dem Schwimmen öffnen.

Raus aus dem Neo nach dem Schwimmausstieg.

 

Ich sehe den Schwimmausstieg vor mir, jetzt heißt es ein wenig konzentrieren. Neo ausziehen habe ich vorher nie geübt und die Uhr muss ich dazu abbinden. Die Fenix ist wunderschön aber eben auch groß. Den gesamten Wechsel gehe ich in Gedanken schnell durch.

Nach 1550m in 32:06 raus aus dem Wasser. Uhr abdrücken. Uhr abbinden. Neo auf und bis zu den Hüften aus. Uhr wieder dran. Badekappe und Brille ab. Zack am Bike. Neo ausstrampeln. Helm auf. Startnummer dran. Gedöns auf einen Haufen werfen. Bike raus und ab die Post.

Der Bikesplit

Die Aeropostion muss kaum verlassen werden.

Beim Radteil des Leipziger Triathlons.

Beim Himmelswegelauf hatte ich zu meinem Schatz gesagt: „Beim Leipzig Triathlon möchte ich im Radteil unter den Top 3 meiner AK sein.“ Sven fand das einen coolen Plan.

Für die Radstrecke habe ich jede Menge Emotionen die ich loswerden möchte. Trauer, Angst und Frust wandle ich in Wut und Vortrieb um.

Die Runde gilt es vier mal zu absolvieren. Auf Runde zwei bleibe ich dann auch in den meisten Kurven in der Aeroposition. Kette rechts wie man so schön sagt. Das Rad fahren ist eindeutig meine Lieblingsdisziplin. Diesmal bin ich nicht so vorsichtig wie beim neuseenMAN und lege ein paar Watt mehr auf die Pedale. Scheiß drauf, wenn es beim Laufen dann nicht mehr reicht. So trete ich auch mal ein paar Minuten 200 Watt und mehr weil überholen einfach die Laune hebt.

Die 42,5km lasse ich in 1:13:15 hinter mir. Bis auf die zu engen Socken läuft auch der zweite Wechsel reibungslos. Im Handumdrehen stecke ich meinen Altra’s und laufe los…

Das Laufen

Die Zielgerade des Leipziger Triathlons.

Beim Zieleinlauf des Leipziger Triathlons.

Kaum zu glauben, da ich ja durch das Laufen beim Triathlon gelandet bin. Ist die letzte Disziplin für mich die Schwerste. Auf der Laufstrecke muss ich mental immer richtig ackern. Heute allerdings beschei… ich. Mit Sven im Nacken läuft es sich ganz gut, ich weiß genau wann er was zu mir gesagt hätte um mir Beine zu machen. So laufen die ersten 5km mit einem 5:20 Schnitt ganz flüssig. Wie immer breche ich bei km 6 & 7 etwas ein um dann wieder schneller zu werden. Man muss ja nicht alle Gewohnheiten aufgeben.

Für viele mag das vielleicht komisch klingen, doch ich weiß, dass er jetzt bei mir ist. Und genau das gibt mir die Kraft die Beine schneller zu bewegen. Nach 50:01 Minuten habe ich auch die letzte Disziplin zufriedenstellend hinter mich gebracht.

Beim Zieleinlauf rollen wieder die Tränen. Keiner mit dem ich Hand in Hand ins Ziel springe und dann glücklich umarmen und küssen darf.

Die zweite OD und der erste Alleingang

Im Finisherbereich läuft mir dann Thomas über den Weg und wir reden noch eine Weile. Genau der Richtige hat Svenis Startnummer getragen. Er ist nicht nur ein fitter Sportler sondern auch ein sehr einfühlsamer Mensch. Ich freue mich sehr ihn hier kennengelernt zu haben. Wir nehmen uns noch vor in Kontakt zu bleiben bevor sich unsere Wege trennen.

Mit 2:39:33h verlasse ich den Schauplatz meiner zweiten olympischen Distanz. Das sind knapp fünf Minuten schneller als beim neuseenMAN und das auf einer längeren Strecke. An der Stelle darf ich mal kurz zufrieden mit mir sein.

Ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass es irgendwann man normal sein soll bei Wettkämpfen allein unterwegs zu sein. So sehr in ich gewöhnt meinen Liebsten um mich zu haben, so sehr habe ich die Jahre genossen in denen wir die gleiche verrückte Leidenschaft ausgelebt haben.

Schatz, wo immer Du bist, halte Dich fit. In Zell am See brauche ich Dich wieder an meiner Seite! <3

 

Gedanken

Gedanken

Verschwinden

Wie ganz langsam gemeinsame Dinge verschwinden.
Die Zahnpastatube ist neu, hattest Du also nie in der Hand.
Die Jacke in der Du mich zuletzt umarmt hast muss in die Wäsche.
Dein Name ist nicht mehr in meiner Anrufliste.
Neue Bettwäsche muss aufgezogen werden.
Die Dinge die Du angefasst hast werden immer weniger, auch Deine Sachen riechen jeden Tag etwas weniger nach Dir.

Reden

Ich rede oft mir Dir, wenn ich denke jetzt bist Du bei mir. Erzähle Dir von meinem Tag und den neuesten Tratsch und Klatsch. Frage Dich um Rat oder zeige Dir neue Sachen bei denen Du Dich mit mir gefreut hättest. Entschuldige mich, wenn ich etwas tue was Du nicht so gut gefunden hättest. Und ich danke Dir oft für diese unglaubliche tolle Zeit. Für kein Geld der Welt würde ich nur ein Minute davon abgeben.

Glauben

Ein religöser Mensch bin ich nicht, doch es gibt andere Dinge an die ich glaube.
So richte ich schon einige Zeit meine Wünsche oder gar Forderungen an das Universum. Ganz oft wurden diese auch erfüllt. Nein, nicht so etwas wie ein Lottogewinn, sondern wichtige Sachen wie zum Beispiel Gesundheit und Wohlergehen für mein Hundebaby Maci.
Auch glaube ich schon immer daran, dass wir nicht ganz gehen, wenn wir gehen. Ich glaube danach kommt noch was, wie auch immer es aussehen mag. Und so hoffe ich, dass Du bei mir bist. Nicht ständig, dass wäre auch manchmal peinlich, aber ab und an. Im Moment vielleicht auch etwas mehr?
Mir hilft der Gedanke Dich an meiner Seite zu wissen.

Deal?!

Was ich dem Universum in den letzten 17 Tagen alles zum Tauschen angeboten habe. Von meinen Beinen über jeglichen irdischen Besitz bis zu fremden Menschen auf der Straße (sorry aber da kommt der Egoismus auch bei mir durch). Leider war nichts von dem was ich hätte geben können so wertvoll wie Du. Verstehe es gut, ich hätte Dich auch gegen nichts auf der Welt eingetauscht.

Der Geist schützt

Mein Gehirn gibt sich große Mühe mich zu beschützen. Ich nehme das wirklich dankend zur Kenntnis und lasse es so weiter arbeiten.
Was es tut? Nun es verbietet mir verschiedene Worte in Verbindung mit Deinem Namen zu nennen. So geht das Gegenteil von immer und Schatz nicht in einem Satz. Auch Be…. funktioniert nicht, für mich heißt es A…. Mhh nee auch da eine Wortsperre.
Daran Deine Sachen aus dem Bad zu räumen ziehe ich nicht mal ansatzweise in Erwägung. Auch Dein alkoholfreies Hefeweizen aus dem Kühlschrank zu nehmen steht nicht zu Debatte. Da trinke ich lieber warmes Wasser.

Paare

Meine Reaktion auf glückliche Paare ähnelt ein klein wenig der Reaktion als hätte ich Liebeskummer (ist es ja auch irgendwie, Du fehlst mir soooo verdammt!). Mit dem Unterschied, dass ich diese nicht mit einem Eimer Wasser trennen möchte sondern voller Neid oder besser Sehnsucht hinsehe.
Und ich möchte allen sagen: „Seid dankbar einen Menschen gefunden zu haben der euch liebt. Streitet wenig und kurz. Genießt eure gemeinsame Zeit bewusst. Und ärgert euch nicht über kleine Macken, dass ist so unwichtig.“

Unnütz

Was ich für absolut unnütz halte und mir mir strickt verbiete sind Gedanke wie hätte man es verhindern können. Und ich weiß dafür würdest Du mich fest umarmen und mir strahlend zustimmen. Es hilft Null sich Gedanken darüber zu machen. Es macht nur trauriger, wütender und hilfloser.
Hätte, könnte und wäre sind demnach gerade nicht meine besten Freunde.
„Es ist wie es ist.“ Aber das kennst Du ja schon von mir. Genervt hat Dich dieser Satz letztes Jahr in Südafrika. Doch nach kurzer Zeit hast Du zu mir gesagt: „Du hast recht. Manche Dinge kann man nicht ändern und es ist eben wie es ist!“

Keine Träume mehr

Das klingt jetzt dramatischer als es ist. Vor dem Unfall (schon das Wort zu schreiben fällt mir schwer) habe ich jede Nacht geträumt und wusste nach dem Aufwachen auch was. Seither sind die Nächte leer. An einen kurzen Fetzen kann ich mich erinnern sonst nichts. Leere. Schwärze.
Ob auch das eine Art Schutzfunktion ist?
Update: Kaum hatte ich das vor ein paar Tagen notiert. Kamen die Träume und die Erinnerung an diese zurück. Nun sind die Nächte und Träume voll von Dir. Wenn es auch schön ist Dich um Traum zu umarmen, mit Dir zu reden und Dich wieder küssen zu können so erbärmlich ist das Aufwachen.
Ich habe geträumt, dass mein Leben jetzt ein Traum ist. Ich habe Dich umarmt es Dir erzählt und Du musstest mir versprechen immer auf Dich auf zu passen. Du hast mich fest gedrückt und hast gesagt: „Das mache ich.“

Flashbacks

Es kommt vor das Bilder aufblitzen ähnlich einem Film wenn Erinnerungen eine Schauspielers eingeblendet werden.

Gerade hatte ich mein Handy auf das Bett geworfen, auf einmal hatte ich Dich vor Augen. Du hast immer Dein iPhone aufs Bett geworfen bevor Du am Abend ins Bad gegangen bist.

Von jetzt auf gleich habe ich gesehen wie Du an dem Tag Dein Haus verlassen hast. Du hast Dein Rad raus geschoben, Deinen Hunden ein Rinderohr gegeben. Das Garmin gestartet und bis losgefahren…. Nur diesmal war ich nicht dabei.

Ich gehe mit Maci die Treppen runter und sehe Dich in Deinen kurzen Hosen und dem Hoodie zur Tür reinkommen.

Sehe Dich Abends auf der Couch liegen.

Immer wieder ploppen solche kurzen Augenblicke vor mir auf. Manchmal sind sie tröstlich, manchmal treffen sie mich wie ein Schlag.

Zeitrechnung

Für mich besteht die Zeitrechnung nur noch aus davor und danach.
Ich sehe Bilder bei Facebook, Instagram, in meinem Handy oder sehe eine Mail das wird alles in vorher und danach eingeteilt. Immer wieder geht mir durch den Kopf heute vor x Wochen oder Monaten…
Jeden Dienstag Morgen sehe ich uns gemeinsam Dein Rennrad aus meinem Auto holen. Du tauchst gut gelaunt neben mir auf, strahlst mich an und sagst: „Ich liebe Dich!“
Jeden Donnerstag Mittag sehe ich mich im Büro am Schreibtisch mit Dir telefonieren. Höre unser Gespräch über Deine Geburtstagswünsche nochmal.
Da habe ich das letzte Mal Deine Stimme hören dürfen.

 

Der Schmerz verändert sich. In sieben Jahren waren wir nicht länger als eine Woche getrennt. Jetzt wächst die Sehnsucht von Tag zu Tag zu Tag.