Eigenverantwortung. Das Wort klingt erst mal nach erhobenem Zeigefinger. Nach „selber schuld“. Nach diesem unangenehmen Gefühl, wenn jemand sagt: „Na ja, du hättest ja auch…“
Dabei ist es genau das Gegenteil.
Eigenverantwortung ist keine Schuldzuweisung. Sie ist eine Ermächtigung. Sie gibt dir die Macht zurück – über dein Leben, deine Gesundheit, dein Wohlbefinden und deine Vitalität. Und darum geht es mir heute.
Was Eigenverantwortung NICHT ist
Es geht nicht darum, im Außen die Schuld zu suchen. Nicht darum, mit dem Finger auf andere zu zeigen – und auch nicht auf dich selbst. Es geht nicht darum, dich zu bestrafen oder dich im Nachhinein mit „hätte ich doch mal“ durch dein Leben zu quälen.
Das bringt dich keinen einzigen Schritt weiter. Keinen.
Was Eigenverantwortung bedeutet – an einem konkreten Beispiel
Ich arbeite mit Ärzten zusammen und bekomme dadurch regelmäßig ähnlich gelagerte Fälle auf den Tisch. Eines der häufigsten: Frauen mit Reflux.
Beim Reflux steigt Magensäure in die Speiseröhre auf – unangenehm, schmerzhaft und langfristig nicht ungefährlich. Die schulmedizinische Antwort sind Protonenpumpenhemmer. Das Medikament hemmt die Bildung der Magensäure. Klingt logisch, das stimmt. Problem: Diese Medikamente sind für wenige Wochen gedacht. Zu mir kommen Menschen, die sie seit Monaten oder Jahren nehmen.
Wenn man sie einfach absetzt, gibt es einen Rebound-Effekt – alles wird erst mal schlimmer. Und unsere Ärzte haben weder die Ausbildung in Ernährungstherapie noch die Zeit, an den eigentlichen Ursachen zu arbeiten. Das ist ein Systemproblem – kein Versagen einzelner Ärzte.
Und hier kommt Eigenverantwortung ins Spiel.
Wenn ein Arzt dir sagt, dass es dafür keine Lösung gibt – dann hat dieser Arzt keine Lösung. Oder dieses Fachgebiet hat keine. Das heißt nicht, dass es überhaupt keine gibt.
Guck nach links. Guck nach rechts. Selbst unter Heilpraktikern kann jeder etwas anderes gut. Es gibt keinen Menschen, der alles abdecken kann. Such dir die passenden Werkzeuge zusammen. Mach dich schlau. Finde deinen Weg.
Ein ehrliches Beispiel aus meinem eigenen Leben
Seit fast einem Jahr habe ich Probleme mit meinem Knie. Harmlos angefangen – ich dachte, Überlastung – und endete im November in der Notaufnahme mit einer Reihe von MRTs. Bis heute ist es nicht wirklich gelöst.
Ich war bei Physios, Osteopathen, Ärzten. Trotzdem läuft’s nicht rund.
Aber wenn ich wirklich ehrlich zu mir bin: Habe ich in diesem Fall alles in meiner Macht Stehende getan?
Nein.
Ich habe nicht alle Übungen regelmäßig gemacht. Ich habe nicht auf entzündungshemmende Ernährung geachtet. Ich habe mich weder vorher noch danach konsequent um meine Faszien gekümmert.
Das ist Eigenverantwortung. Ich erkenne, was ich hätte besser machen können – und nutze das als Information. Als Richtungsweiser. Nicht als Selbstgeißelung.
Und wenn ich will, dass es besser wird, muss ich jetzt konsequenter mein Ding durchziehen. Punkt.
Der Unterschied zwischen Eigenverantwortung und Selbstvorwürfen
Den muss man wirklich kennen – sonst kippt das Ganze in die falsche Richtung.
Eigenverantwortung heißt: Ich schaue auf den Ist-Zustand.
Was läuft nicht?
Was kann ich jetzt anders machen?
Was habe ich schon versucht, was ich nicht nochmal probieren muss? Außer ich habe es nicht wirklich durchgezogen – dann noch mal bitte!
Selbstvorwürfe heißen: „Ich hätte das anders machen müssen, ich bin so blöd, warum hab ich das nicht früher gewusst…“ – und das dreht sich im Kreis, ohne dass sich irgendetwas verändert.
Wenn wir immer die richtigen Entscheidungen getroffen hätten, würden wir in diesem Leben nichts lernen. Unsere Entscheidungen – gute wie schlechte – haben uns genau dorthin geführt, wo wir heute stehen. Das gehört einfach zur Erfahrung im Leben dazu.
Das Leben wird vorwärts gelebt, aber rückwärts verstanden.
Die zwei Fragen, die wirklich zählen
Stell dir diese beiden Fragen – ehrlich, auch wenn es unangenehm ist:
1. In welchem Bereich deiner Gesundheit weißt du gerade, dass du noch nicht alles ausgeschöpft hast?
2. Hast du die Dinge, die du ausprobiert hast, wirklich zu 100% umgesetzt – oder hast du’s kurz angerissen und dann wieder schleifen lassen?
(Das ist die Frage, wo ich den Kopf einziehe….)
Eigenverantwortung bringt dich aus der Opferrolle
Das ist das Entscheidende:
Dieser Schritt – das ehrliche Hinschauen – bringt dich raus aus der Opferrolle, raus aus der Situation, in der dir Dinge nur passieren.
Ab dem Moment bist du am Steuer. Du bist nun in die Rolle, in der du dein Leben und deine Gesundheit wieder aktiv mitgestaltet.
Natürlich gibt es auch Grenzen. Natürlich gibt es Schicksalsschläge, die einfach beschissen sind. Die kannst du dir nicht aussuchen. Aber wie du darauf reagierst, liegt bei dir.
Das ist deine Chance. Deine Möglichkeit selber zu steuern.
Du hast Fragen zu deiner Gesundheit und weißt nicht, wo du anfangen sollst? Schreib mir gerne – ich schaue gemeinsam mit dir, welche Schritte für dich Sinn machen.